Rechtsanwalt Jörg Elsner erhebt Klage gegen Allianz wegen „Fairplay -Konzept“

Rechtsanwältin Bettina BachmannVerfasser des Beitrages:
gelesen: 15271 , heute: 6 , zuletzt: 5. Dezember 2016

Elsner erhebt Klage gegen Allianz wegen „Fairplay-Konzept“

Der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht, Rechtsanwalt und Notar Jörg Elsner, hat auf Grundlage eines Beschlusses des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht die Allianz Versicherungs-AG wegen der Anwendung des sog. „Fairplay-Konzepts“ vor dem Landgericht München I verklagt.

Das „Fairplay-Konzept
Das „Fairplay-Konzept“ wird von der Allianz als Mittel zur vereinfachten Regulierung von Schadensfällen eingesetzt. Um Schadensfälle nach dem „Fairplay-Konzept“ abwickeln zu können, müssen die Werkstätten zunächst mit der Allianz einen Rahmenvertrag abschließen. Durch den Rahmenvertrag werden den Werkstätten weitreichende Pflichten im Rahmen der Schadensabwicklung auferlegt, u.a. die Schadensermittlung nach strengen Vorgaben des von der Allianz zur Kostenoptimierung eingebundenen Dienstleisters „Control€xpert“. Den Werkstätten werden zugleich aber erhebliche Vorteile versprochen, nämlich die kurzfristige Freigabe der Reparatur innerhalb weniger Stunden sowie die Zahlung der Reparaturkosten innerhalb von 7 Tagen.

Vorraussetzungen des „Fairplay-Konzeptes
Voraussetzung für die Abwicklung nach dem „Fairplay-Konzept“ ist expressis verbis allerdings, dass ein Rechtsanwalt oder ein freier Sachverständiger nicht hinzugezogen wird. Wird ein Rechtsanwalt oder Sachverständiger gleichwohl beauftragt, erfolgt die Abwicklung „wie bisher“ – also durchaus mit Zeiträumen von Wochen statt von Tagen oder Stunden sowie Auseinandersetzungen über die Schadenshöhe u.a. Die Anwendung des „Fairplay-Konzepts“ ist nach Ansicht von Elsner gleich unter mehreren Aspekten wettbewerbswidrig. Insbesondere wendet sich Elsner gegen den dem Konzept immanenten Boykott von Rechtsanwälten. Dass die Allianz davon spricht, dass jeder Kunde weiterhin das Recht habe, einen Anwalt zu beauftragen, lässt Elsner nicht gelten. Das Recht, einen Anwalt zu beauftragen, müsse sich der Geschädigte nicht erst von der Allianz einräumen lassen, es stehe ihm sowieso zu, so Elsner. Erkennbar sei das gesamte Konzept darauf angelegt, die Werkstatt in das Lager der Versicherung zu ziehen. Hierdurch werde die Werkstatt in einen unauflöslichen Interessenkonflikt gebracht, denn einerseits sei sie vertraglich der Allianz verpflichtet, andererseits aber auch dem Geschädigten im Rahmen des Reparaturauftrags. Den Anwälten sei die Vertretung widerstreitender Interessen nicht ohne Grund strafrechtlich verboten, in eine vergleichbare Situation werde die Werkstatt durch das Allianz-Konzept gebracht, so Elsner. Anstatt nach bestem Wissen und Gewissen den Reparaturauftrag des Geschädigten zu erfüllen, sei die Werkstatt gehalten, sich an den kosten- und prozessoptimierten Vorgaben der Versicherung – als Vertreter des Unfallverursachers (!) – zu orientieren. Hierdurch werde die Werkstatt zum Vertragsbruch gegenüber dem Geschädigten verleitet. Das Konzept sei daher nicht fair, sondern foul, sodass sogar der Name „Fairplay-Konzept“ nach Ansicht von Elsner irreführend und damit wettbewerbswidrig sei.

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6 Kommentare zu „Rechtsanwalt Jörg Elsner erhebt Klage gegen Allianz wegen „Fairplay -Konzept““

  1. edu88 sagt:

    find ich super

  2. RA Berf sagt:

    Sehr lobenswert!
    Es wird Zeit, dass dieser unerträglichen Vorgehensweise der Versicherer endlich ein Riegel vorgeschoben wird, deren Auswirkungen alle im Verkehrsrecht tätigen Kolleginnen und Kollegen in zunehmendem Maße in Form von drastisch zurückgehenden Umsätzen täglich spüren.

  3. F-W Wortmann sagt:

    Das Vorgehen der ArbGem. Verkehrsrecht ist zwar lobenswert, hätte schon viel früher geschehen müssen. Allerdings muss auch eins bedacht werden, dass der BGH in BGHZ 63, 182 ff bereits ausgeführt hat, dass die Reparaturwerkstatt Erfüllungsgehilfe des Schädigers ist. Das Werkstattrisiko liegt daher bei dem Schädiger. Wenn also die nicht sach- und fachgerecht repariert, wie der Kunde, also der Geschädigte, dies beauftragt, so ist die Werkstatt aus dem Werkvertrag dem Geschädigten zur Nachbesserung verpflichtet. Diese Mehrkosten gehen aufgrund des Werkstattrisikos zulasten des Schädigers.

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  5. SVWipp sagt:

    super weiter machen

  6. Herr Elsner greift hier ein wichtiges Problem auf, welches auch für mich als mittelständischer Autovermieter von großer Bedeutung ist. Auch uns versuchen die Versicherer mit diesem System „Fair Play“ oder andere Namen mit gleichem Ziel. Ich habe seit dem 10.05.2010 dazu eine Einzelpetition beim Bundestag laufen. Bis heute keine Entscheidung. Die Lobbyarbeit der Versicherer hat seine klaren Auswirkungen. Vielleicht sollte Herr Elsner auch weitere Verbündetet suchen. Zum Beispiel der Verband Deutschen Autovermieter e.V. VDA.

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