Müssen Unfallbeteiligte warten bis die Polizei kommt?

Loren GrunertVerfasser des Beitrages:
gelesen: 38138 , heute: 15 , zuletzt: 30. September 2016

Klar ist, dass die Unfallbeteiligten bei geringen Schäden und solange das Auto noch fahrtüchtig ist unverzüglich beiseite fahren müssen. Muss aber auch in jedem Fall die Polizei gerufen werden? Es gilt: Nur Unfälle mit erheblichem Sachschaden oder Personenschaden muss die Polizei aufnehmen.

Bei Unfällen mit Toten, Verletzten oder erheblichem Sachschaden sollte in jedem Fall die Polizei gerufen werden. Kleinere Bagatellschäden können dagegen selbst ohne Beteiligung der Polizei geregelt werden. Eine Ausnahme gibt es bei Wildschäden; hier muss in jedem Fall die Polizei informiert werden.
Tipp nach Verkehrsunfall: In einem kurzen Protokoll sind noch am Unfallort alle wesentlichen Angaben über die Unfallbeteiligten, die Fahrzeuge sowie Art, Verlauf und Folgen des Unfalls festzuhalten. Es empfiehlt sich dieses Protokoll direkt einem Anwalt Ihrer Wahl bei Schadenfix.de ganz bequem per Online-Formular zukommen zu lassen. Der Anwalt hilft Ihnen schnell und professionell alle Ihre Ansprüche (neben materiellen Schadensersatzansprüchen u.a. auch Schmerzensgeld, Heilbehandlungskosten, Verdienstausfall) durchzusetzen.

Die Polizei klärt nicht die Schuld!

Wird die Polizei zu einem Unfall mit Bagatellschaden gerufen, wird sie den Unfall aufnehmen, soweit das zur Klärung der Schuldfrage für ein Ordnungswidrigkeitenverfahren notwendig ist (Beispielsweise die Feststellung der Blutalkoholkonzentration), nicht aber zur Klärung der Schuldfrage selbst oder zur Sicherung zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche der Unfallbeteiligten.

Rechtstipp: Wenn Ihnen die Polizei einen Vorwurf macht, müssen Sie sich nicht äußern. Ihr Schweigen darf niemals gegen Sie verwendet werden, Ihre wahrheitsgemäßen Angaben oder Ihr Lügen dagegen sehr wohl!

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4 Kommentare zu „Müssen Unfallbeteiligte warten bis die Polizei kommt?“

  1. Vorsicht! Was die Polizei aufnehmen muss und was gemeldet werden muss, sind zwei Paar Schuhe! Vor allem bei Mietwagen- oder Vollkaskoschäden sollte man nie darauf verzichten, die Polizei zu rufen. Falls diese sich weigert, den Unfall aufzunehmen, sollte man sich den Namen des Beamten und die Anrufzeit notieren. Ansonsten kann’s
    Prbleme geben mit dem Versicherungsschutz!

    Der sicherste Weg: Immer die Polizei rufen!

  2. Loren Grunert sagt:

    Danke für die Berichtigung!

    Das heißt dann wohl konkret: Rein theoretisch könnten die Unfallbeteiligten den Unfall auch selbst aufnehmen……. Die Praxis zeigt jedoch, dass dann die Versicherungen Probleme machen können.

    An welche Probleme denken Sie konkret?

  3. Rein theoretisch können die Unfallbeteiligten machen, was sie wollen. Nur verlieren sie möglicherweise den Versicherungsschutz bzw. die Haftungsfreistellung bei Mietfahrzeugen, wenn sie die Polizei nicht benachrichtigen.

    Bei Mietfahrzeugen gibt es ganz erhebliche Probleme mit der sog. Polizeiklausel im Rahmen der Haftungsfreistellung. Ich habe darüber schon einen Blogbeitrag geschrieben. Im Vollkaskorecht stellt die Nichtbenachrichtigung der Polizei eine Obliegenheitsverletzung dar, die den Versicherungsschutz jedenfalls gefährdet. Eine umfangreiche Darstellung erspare ich mir an dieser Stelle.

    Die Benachrichtigung der Polizei sollte also schon sicherheitshalber aus rein rechtlichen Gründen immer erfolgen. Darüber hinaus sollte sie aber auch aus praktischen Erwägungen erfolgen:

    Ganz allgemein gibt es bei der Regulierung mit dem Haftpflichtversicherer Probleme, wenn der Unfallhergang, mithin also die Frage nach der Haftung dem Grunde oder dem Umfang nach (Mitverschulden), streitig ist. Dann hilft in der Regel nur die polizeiliche Ermittlungsakte. Es ist bei mir gängige Regulierungspraxis, dass ich immer Akteneinsicht in die pol. Ermittlungsakte beantrage, wenn der Haftpflichtversicherer nicht schon ausnahmsweise von vornherein die vollumfängliche Haftung anerkannt hat.

    Dass die Beteiligten den Unfall selbst aufgenommen und mit Lichtbildern dokumentiert haben, habe ich sehr selten erlebt und wenn, dann waren das Unfalldokumentationen, die nicht weitergeholfen haben. Der nicht geschulte Laie macht sich ja recht selten Vorstellungen davon, wie man eine Fahrbahn vermisst u.Ä.. Auch wenn die polizeiliche Unfallaufnahme stellenweise von recht zweifelhafter Qualität ist, ist sie immer noch wesentlich aussagekräftiger als irgendwelche privaten Landschaftsaufnahmen.

  4. Bin gerade über Ihren Satz: „Die Polizei klärt nicht die Schuld!“, gestolpert. Stimmt rein theoretisch. Rein praktisch fühlen sich die Vertreter dieser Zunft nämlich regelmäßig zu Höherem berufen. Hierzu ist mir eine nette Anekdote eingefallen:

    Ich hatte letztens einen Polizeibeamten als Zeugen vorm Bußgeldrichter, der dem Richter die Rechtslage erklärt hat oder jedenfalls seine Vorstellungen von der Rechtslage. Das war sehr amüsant, weil er auf meine Nachfrage, ob es denn seine Aufgabe sei, dem Richter die Rechtslage zu erklären, glatt mit „Natürlich!“ geantwortet hat.
    Als mein Mandant dann nicht wegen Überholens bei unklarer Verkehrslage verurteilt wurde, ist besagter Beamter, der während der Verhandlung in Dienstuniform im Verhandlugssaal verweilte, empört aufgesprungen, hat den Kopf geschüttelt, ist rausgetapst und hat die Tür mit Wucht zugeschlagen.
    Sie werden auch nahezu keine polizeilichen Unfallprotokolle finden, in denen nicht gleich mal en passant von Amts wegen durch den ermittelnden Polizeibeamten festgestellt wird, wer Schuld ist.
    Das strahlt dann natrürlich auch immer auf die Haftpflichtregulierung aus, denn die Versicherer halten sich teilweise sklavisch ans Ermittlungsprotokoll bzw. den Ausgang des parallelen Owi – Verfahrens.

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