Strafe / Fahrerflucht – was soll ich tun?

Dipl.-Jur. Carsten MeineckeVerfasser des Beitrages:
gelesen: 82822 , heute: 3 , zuletzt: 9. Dezember 2016

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RA Meinecke: kostenlose Erstberatung bei Fahrerflucht

Typische Juristenantwort: Das kommt darauf an. Die Geschädigten nach einem Verkehrsunfall mit anschließender Fahrerflucht haben andere Interessen als diejenigen, denen Unfallflucht (= unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, § 142 StGB) vorgeworfen wird. Im Strafverfahren wollen die Unschuldigen einen Freispruch und die Fahrerflüchtigen einen möglichst guten Ausgang. In allen Fällen ist es ratsam, sich von einem im Verkehrsrecht tätigen Rechtsanwalt beraten bzw. vertreten zu lassen.

Was also sollen Sie jetzt machen?

Fangen wir mit dem Strafverfahren an. Wichtig ist zunächst die Folgen aufzuzeigen. Bei einer Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe und der Verlust der Fahrerlaubnis. Die eigene Haftpflichtversicherung reguliert den Schaden des Unfallgegners und verlangt von Ihnen Regress in Höhe von bis zu 5.000 EUR. Sie verlieren den Versicherungsschutz bei der eigenen Kaskoversicherung und bei der eigenen Rechtsschutzversicherung. Die Rechtsschutzversicherung ist zur Zahlung eines Vorschusses an den Rechtsanwalt verpflichtet, solange Sie in der Strafsache wegen Fahrerflucht noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. Der kluge Rechtsanwalt wird sich also vorher einen Vorschuss auszahlen lassen. Sie müssen aber bedenken, dass die Versicherung nach einer Verurteilung von Ihnen den Vorschuss erstattet haben will.

Damit dürfte eins klar sein: Sie wollen keine Verurteilung. Auch wenn Sie unschuldig sind, ist das vorrangige Ziel, eine Verurteilung zu verhindern.

Wenn Sie vorhaben, einen Rechtsanwalt zu beauftragen, geben Sie bitte keine Erklärungen zum Sachverhalt ab. Häufig wird eine Verteidigung dadurch erschwert, weil der Mandant eine unglückliche Aussage gegenüber der Polizei abgegeben hat. Auf der anderen Seite dürfen keine wichtigen Fristen verstreichen. Sollten Sie zum Beispiel einen Strafbefehl erhalten haben, müssen Sie die Einspruchsfrist von zwei Wochen beachten und notfalls den Einspruch selbst einlegen, bevor Sie einen Rechtsanwalt beauftragen.

Falls Sie keinen Rechtsanwalt beauftragen wollen, müssen Sie sich selbst verteidigen. In manchen Fällen ist es ratsam, keine Aussage zu machen, und in anderen Fällen ist eine Einlassung sinnvoll. Der Rechtsanwalt kann diese Entscheidung nach der Einsicht in die Ermittlungsakten kompetent treffen. Wie wollen Sie das entscheiden? Ziel Ihrer Bemühungen muss es sein, eine Verurteilung zu verhindern. Der rechtskräftige Strafbefehl ist auch eine Verurteilung. Sie wollen einen Freispruch oder eine Einstellung des Verfahrens (gegen Zahlung einer Geldauflage). Auch Ihr Rechtsanwalt will eines der beiden Ziele erreichen. Ihr Rechtsanwalt kann beurteilen, ob und wie der Freispruch oder die Einstellung erreicht werden können. Sie können das nicht, wenn Sie hier nach Hilfe suchen. Ich kann Ihnen für die erfolgreiche Selbstverteidigung keinen pauschalen Rat geben.

Wenn Sie Geschädigter eines Verkehrsunfalles mit anschließender Fahrerflucht sind, wollen Sie in erster Linie die Regulierung Ihres Schadens erreichen. Eine Verurteilung des Täters ist für Sie zweitrangig. Sie brauchen das Kennzeichen des gegnerischen Fahrzeuges, um an die zuständige Versicherung zu gelangen. Aber auch dann wenn weder Fahrer noch Kennzeichen bekannt sind, ist noch nicht alles verloren. Sie haben vielleicht eigene oder andere Versicherungen (Kasko- oder Krankenversicherung), die Sie in Anspruch nehmen können. Als Mitfahrer in einem Kraftfahrzeug müssen Sie Ihre Ansprüche nicht beim Unfallgegner geltend machen. Sie können sich auch an die Versicherung des Halters „Ihres“ Fahrzeugs wenden. Falls dadurch nicht der gesamte Schaden reguliert werden kann, tritt die Verkehrsopferhilfe ein. Bei Unfallfluchtschäden übernimmt die Verkehrsopferhilfe jedoch nicht die eigenen Fahrzeugschäden und die sonstigen Sachschäden nur, soweit diese den Betrag von 500 EUR (§ 12 PflVG) übersteigen. Ein Schmerzensgeld wird nur gezahlt, wenn dies wegen der besonderen Schwere der Verletzungen zur Vermeidung einer groben Unbilligkeit erforderlich ist, d.h. etwa ab einer Schmerzensgeldgröße von 10.000 EUR.

Auch im Zivilrecht kann ich nur den Rat geben, lassen Sie sich von einem im Verkehrsrecht tätigen Rechtsanwalt beraten bzw. vertreten. Die Schadensregulierung ist in einem normalen Fall schon schwierig. Die Fahrerflucht macht es für Sie nur komplizierter.

Weitere Informationen: Fahrerflucht nachträglich melden, Fahrverbot StGB, Meinecke, Carsten Meinecke, Rechtsanwalt fragen kostenlos, Unfallflucht wann kommt Polizei, Fahrerflucht wann kommt Polizei, Rechtsanwalt Unfallflucht, Rechtsanwalt Fahrerflucht, Anwalt Unfallflucht, Anwalt Fahrerflucht,

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4 Kommentare zu „Strafe / Fahrerflucht – was soll ich tun?“

  1. ... sagt:

    „…Die Rechtsschutzversicherung ist zur Zahlung eines Vorschusses an den Rechtsanwalt verpflichtet, solange Sie in der Strafsache wegen Fahrerflucht noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. Der kluge Rechtsanwalt wird sich also vorher einen Vorschuss auszahlen lassen. Sie müssen aber bedenken, dass die Versicherung nach einer Verurteilung von Ihnen den Vorschuss erstattet haben will. …“

    Das ist gut. Da können Sie den Mandanten doch gleich mitteilen, dass sie die Kosten selbst zu tragen haben. Oder sprechen Sie mit Ihrem blog nicht nur Beschuldigte und Geschädigte an, sondern auch Rechtsanwälte? – Rechtsanwalt = Vorschuss! Top!

    „…Falls Sie keinen Rechtsanwalt beauftragen wollen, müssen Sie sich selbst verteidigen. In manchen Fällen ist es ratsam, keine Aussage zu machen, und in anderen Fällen ist eine Einlassung sinnvoll. Der Rechtsanwalt kann diese Entscheidung nach der Einsicht in die Ermittlungsakten kompetent treffen. Wie wollen Sie das entscheiden?…“

    Wie sollten die Beschuldigten nach Akteneinsicht das auch kompetent entscheiden können? Ein Beschuldigter, welcher nicht durch einen Rechtsanwalt vertreten wird, erhält meines Erachtens gar keine Akteneinsicht, selbst wenn das „grundsätzlich“ so sein sollte. Wie soll er das denn dann auch beurteilen können.

    „… Aber auch dann wenn weder Fahrer noch Kennzeichen bekannt sind, ist noch nicht alles verloren. Sie haben vielleicht eigene oder andere Versicherungen (Kasko- oder Krankenversicherung), die Sie in Anspruch nehmen können. …“

    Nichts verloren? MEINE Versicherung zahlt und in den meisten Fällen wird wohl die Höherstufung erfolgen. Der Selbstbehalt, den die meisten haben, ist nicht zu vergessen.

  2. Zur Rechtsschutzversicherung:
    Die Versicherung zahlt vor einer Verurteilung den Vorschuss. Nach einer Verurteilung will sie das Geld vom Mandanten zurück. Der Rechtsanwalt hat unabhängig vom Ausgang sein Honorar verdient. Und wenn er für den Mandanten eine Verurteilung verhindern kann, dann zahlt auch die Rechtsschutzversicherung. Ich gehe davon aus, dass jeder Rechtsanwalt über diesen Umstand aufklärt und dass der Mandant keine bösen Überraschungen erfährt.
    Ich spreche mit meinem Blog die Nichtjuristen an. Rechtsanwälte, die auf diesem Gebiet arbeiten, brauchen solch einen Hinweis nicht. Ich schildere die Folgen, um zu verdeutlichen, welcher Kostendruck auf dem Beschuldigten eines Verfahrens wegen Fahrerflucht lastet.

    Zur Akteneinsicht:
    Der Beschuldigte hat nach § 147 Abs. 7 StPO ein eigenes Einsichtsrecht zu: „Dem Beschuldigten, der keinen Verteidiger hat, sind auf seinen Antrag Auskünfte und Abschriften aus den Akten zu erteilen, soweit dies zu einer angemessenen Verteidigung erforderlich ist, der Untersuchungszweck, auch in einem anderen Strafverfahren, nicht gefährdet werden kann und nicht überwiegende schutzwürdige Interessen Dritter entgegenstehen. Absatz 2 Satz 2 erster Halbsatz, Absatz 5 und § 477 Abs. 5 gelten entsprechend.“
    Der Beschuldigte bekommt Abschriften und Auskünfte soweit dies zu einer angemessenen Verteidigung erforderlich ist. Es entscheiden also andere, welche Auskünfte der Beschuldigte bekommt. Es entscheidet die Staatsanwaltschaft, die den Beschuldigten anklagen möchte oder es entscheidet das Gericht, das den Angeklagten fast schon für schuldig hält und die Anklage gegen ihn zugelassen hat. Der eigene Rechtsanwalt bekommt die ganze Akte und entscheidet selbst, was für eine Verteidigung wichtig ist. Die Einsicht ist also auch ohne Verteidiger möglich. Ob sie dem Betroffenen hilft, ist eine andere Sache.

    Zum unbekannten Fahrer bzw. Halter
    Ich will hier kurz einen Fall aus meiner Kanzlei schildern. Eine Mandantin erlitt als Mitfahrerin bei einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht eine Querschnittslähmung. Der Schaden am Fahrzeug war in dieser Situation das kleinste Problem. Die Heilbehandlungskosten wurden von der eigenen Krankenversicherung übernommen. Meine Mandantin konnte als Mitfahrerin die Versicherung des eigenen Fahrzeugs in Anspruch nehmen. Wäre sie Halterin des Wagens gewesen, hätte sie ihre Ansprüche bei der Verkehrsopferhilfe anmelden können. Insgesamt bekam sie von der Versicherung rund 800.000 EUR – und das obwohl der Unfallverursacher geflüchtet ist. Das meine ich damit, wenn ich schreibe, es ist noch nicht alles verloren.

  3. ... sagt:

    Zum unbekannten Fahrer bzw. Halter
    Das es schön ist, dass es Stellen gibt, die bei Schäden eintreten, wenn keine gegnerische Versicherung die Haftung übernimmt, ist großartig und wird auch nicht in Frage gestellt. Auch für Ihre Mandantin ist es in diesem Fall eine große Erleichterung, das Stellen, wie die Verkehrsopferhilfe, gegründet wurden. Jedoch wird diese Stelle keine Schäden am Fahrzeug übernehmen. Wie Sie selbst schildern, war der Sachschaden das kleinste Problem, wo man wohl bei derartigen Verletzungen ausgehen kann.

    Fahrerflucht soll eine der häufigsten Verkehrsstraftaten sein, was wahrscheinlich durch Parkschäden zustande kommt. Bei mehr als der Hälfte der Geschädigten wird es sich wahrscheinlich um Geschädigte handeln, die einen Sachschaden in Höhe von ca. 250,00 € bis ca. 1.000,00 € und mehr zu verbuchen haben. Diese Geschädigten müssen den Schaden selbst tragen oder Ihrer Kasko melden und eine Höherstufung sowie die Selbstbeteiligung in Kauf nehmen. Gerade wenn man sich bei diesen „geringen“ Schadensbeträgen – für Geschädigte jedoch meist viel Geld und manchmal nicht aufzubringen – befindet, kann man nicht von „es ist noch nichts verloren“ sprechen.

    Wenn Sie einen derartigen Fall, wie oben von Ihnen beschrieben meinten, dann sollten Sie dies auch so schreiben und nicht pauschal über Geschädigte sprechen.

    Ich selbst habe 300,00 € Selbstbeteiligung + Höherstufung verloren. Für Ihre Rückmeldung bedanke ich mich trotzdem!

  4. Ihren Ärger kann wohl jeder Eigentümer eines Autos verstehen. Spätestens nach einem Monate hatte jedes meiner Fahrzeuge eine Delle. Ist die erst einmal drin, hat man Ruhe.

    Das sind jedoch nicht die Fälle, die ein Rechtsanwalt zu sehen bekommt. Ich habe solch ein Mandat in den letzten 10 Jahren nicht bearbeitet.

    Ich werde Ihren Hinweis aufnehmen und in Zukunft sorgfältiger formulieren.

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