Strafe / Fahrerflucht – was habe ich zu erwarten?

Rechtsanwalt Carsten MeineckeVerfasser des Beitrages:
gelesen: 280702 , heute: 233 , zuletzt: 23. Juli 2014

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Hier können Sie eine unverbindliche Anfrage stellen.

In Deutschland werden jedes Jahr ca. 500.000 Fahrerfluchten begangen. Gerichtlich bestraft (durch Urteil oder Strafbefehl) werden in jedem Jahr nur gut 30.000 Täter. Wer schon einen Strafbefehl oder eine Ladung zur Verhandlung vor dem Strafgericht in den Händen hält, hat nur noch geringe Chancen, mit einem blauen Auge aus der Sache raus zu kommen. Was bei einer Verurteilung droht, erfahren Sie hier. Besser ist es, Sie lassen sich frühzeitig von einem Rechtsanwalt beraten und vertreten.

Bei einer Verurteilung droht nach dem Gesetz (§ 142 StGB) folgende Strafe. Fahrerflucht wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe und zusätzlich einem Fahrverbot oder dem Verlust der Fahrerlaubnis geahndet. Was bedeutet das nun genau? Im schlimmsten Fall sind das drei Jahre Freiheitsstrafe mit einer Entziehung der Fahrerlaubnis und einer für immer geltenden Sperre. Die günstigste „Bestrafung“ in einem Urteil (oder Strafbefehl) sieht eine Geldstrafe von 5 Tagessätzen ohne Entziehung der Fahrerlaubnis und ohne Fahrverbot vor. Selbstverständlich hat der Verurteilte auch die Kosten des Verfahrens zu tragen. 

Das Gericht bewertet zur Urteilsfindung verschiedene Faktoren: z.B. Schwere der Schuld, Sachschaden und Verletzungen der Unfallbeteiligten und persönliche und wirtschaftliche Verhältnisse des Täters. Jedes Urteil ist damit einzigartig und genau auf den jeweiligen Täter, seine Tat und die Folgen zugeschnitten. Trotzdem gibt es bei fast allen Staatsanwaltschaften und Gerichten Tabellen, die einen groben Anhaltspunkt über die zu erwartende Strafe (Fahrerflucht) liefern. Jeder Rechtsanwalt, der auf diesem Gebiete tätig ist, hat eigene Erfahrungen gesammelt, mit denen er die Prognose im konkreten Fall präzisieren kann. Folgende Strafen wären nach einer der Tabellen möglich:

  • § 142 StGB mit Sachschaden bis 250 EUR
    => 15 Tagessätze und ein Fahrverbot zwischen 1 und 3 Monaten.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 250 EUR bis 750 EUR
    => 15 bis 30 Tagessätze und ein Fahrverbot zwischen 1 und 3 Monaten.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 750 EUR
    => ab 30 Tagessätze, Entziehung der Fahrerlaubnis und eine Sperrfrist zwischen 6 und 12 Monaten.

Kommt noch ein Personenschaden hinzu, kann sich die Strafe (Fahrerflucht) verdoppeln.

Eine  andere Tabelle sieht so aus:

  • § 142 StGB mit Sachschaden unter 550 EUR
    => Einstellung nach § 153a StPO möglich.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 550 EUR
    => 20 bis 30 Tagessätze und ein Monat Fahrverbot.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 650 EUR
    => 30 Tagessätze und zwei Monate Fahrverbot.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 900 EUR
    => 40 Tagessätze und drei Monate Fahrverbot.
  • § 142 StGB mit Sachschaden ab 1.100 EUR
    => 50 Tagessätze, Entziehung der Fahrerlaubnis und eine Sperrfrist ab 9 Monaten.

Kommt noch ein Personenschaden hinzu, kann sich die Strafe (Fahrerflucht) verdoppeln. Wiederholungstäter müssen mit einer Strafe zwischen 120 und 180 Tagessätzen rechnen. 30 Tagessätze entsprechen einem Monatseinkommen.

Die Entziehung der Fahrerlaubnis droht bei einem bedeutenden Schaden. Die Gerichte haben unterschiedliche Grenzwerte. So kann der bedeutende Schaden bei 1.000 EUR (OLG Köln zfs 2002, 305; LG Berlin zfs 2002, 548), bei 1.200 EUR (LG Hamburg DAR 2001, 521; LG Kaiserslautern DAR 2003, 186), 1.250 EUR (LG Bielefeld NZV 2002, 48; LG Braunschweig DAR 2002, 469; AG Köln DAR 2003, 88; LG Zweibrücken zfs 2003, 208; LG Hamburg DAR 2005, 168) oder bei 1.300 EUR (LG Düsseldorf NZV 2003, 103; LG Braunschweig zfs 2005, 100; AG Lüdinghausen NZV 2005, 213; OLG Jena 2005. 289) vorliegen. Die neuere Rechtsprechung sieht die Grenze bei 1.500 EUR.

Maßgeblich ist nicht der reine Sachschaden, sondern der Geldbetrag, der erforderlich ist, den Geschädigten so zu stellen, als wäre das schädigende Ereignis nicht eingetreten (vgl. MünchKommStGB/Athing § 69 Rn. 70 m.w.N.). Deswegen sind neben den Reparaturkosten auch Bergungs- und Abschleppkosten einzubeziehen.

Zu der eigentlichen Strafe kommen noch die Nebenfolgen. Diese sind ein Fahrverbot oder eine Entziehung der Fahrerlaubnis, der Eintrag von 2 oder 3 Punkten im neuen Fahreignungsregister und einer Eintragung im Bundeszentralregister. Daneben verliert der Verurteilte seinen Versicherungsschutz in der Haftpflichtversicherung (= der Verurteilte trägt die Kosten des Unfallgegners), der Kaskoversicherung (= der Verurteilte bekommt für den Schaden am eigenen Fahrzeug kein Geld) und in der Rechtsschutzversicherung (= der Verurteilte muss der Versicherung die Kosten für den eigenen Rechtsanwalt erstatten). Bei Personen, die beruflich auf die Nutzung eines Fahrzeugs angewiesen sind, kann die Verurteilung mit einem Fahrverbot oder gar einer Entziehung der Fahrerlaubnis auch erhebliche arbeitsrechtliche Folgen haben. In den meisten Fällen sind diese “Nebenfolgen” einer Verurteilung für die Betroffenen sehr erheblich. Ich kann daher nur raten, machen Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch und beauftragen Sie einen Rechtsanwalt.

 

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5 Kommentare zu „Strafe / Fahrerflucht – was habe ich zu erwarten?“

  1. Aktivleser sagt:

    Mich würde interessieren, wie sie an solche “Tabellen” des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft kommen?! Zudem sollten Sie in Ihrem Blog doch deutlicher hervorheben, dass es solche Tabellen ggf. zur Orientierung gibt, aber das Gericht immer in der Strafzumessung INDIVIDUELLE Faktoren berücksichtigen muss, die in keiner Tabelle festgehalten werden können. Solche Tabellenwerte werden den Leser doch nur zusätzlich zum Strafverfahren verunsichern!

    Ihre Blogaktivität in allen Ehren, aber zum Thema “Fahrerflucht” wurden schon mehrere Artikel von einem Ihrer Kollegen geschrieben. Finden Sie das kollegial?

  2. Nanu – was soll ich kollegial finden? Ich finde es tatsächlich nicht in Ordnung, dass andere Kollegen bereits über das Thema geschrieben haben. Ich werde aber mal ein Auge zudrücken. ;-)

    Oder meinen Sie, dass andere sich nicht mehr äußern dürfen, wenn ein Kollege schon etwas zum Thema geschrieben hat? Na dann habe ich wohl den Sinn eines Blogs nicht richtig verstanden. Ich dachte bisher, jeder dürfte in einem Blog seinen Beitrag veröffentlichen.

    In diesem Blog geht es für den Nichtjuristen um Informationen. Jeder Autor kann seinen Beitrag dazu leisten. Für die Autoren geht es schlicht um Werbung. Jeder Rechtsanwalt will den Lesern zeigen, wie kompetent er ist. Viele Leser eines Beitrages bedeuten eine höhere Sichtbarkeit des Autors im Internet und damit auch mehr Mandate.

    Viele Autoren und viele Beiträge bedeuten ein große Maß an Informationen. Die Leser bestimmen durch ihre Klicks und durch ihre Kommentare, welche Beiträge wichtiger als andere sind. Dabei kann es nicht schaden, wenn zu einem Thema mehrere Beiträge existieren. Die Leser erhalten so mehr Informationen und finden vielleicht einen wichtigen Anhaltspunkt. Würde man für jedes Thema nur einen Autor zulassen, wäre so ein Block in Kürze eingeschlafen.

    Diese Tabellen finden Rechtsanwälte in einschlägigen Büchern. Selbstverständlich sind die nur ein grober Anhaltspunkt. Genau das habe ich ja auch in dem Blog geschrieben. Jedes Urteil ist einzigartig und anhand der Tabellen und der eigenen Erfahrungen kann der Rechtsanwalt im konkreten Fall eine Prognose abgeben.

    Ich halte die Tabelle und den Blog für wichtig, um den Betroffenen die Angst vor einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren zu nehmen.

  3. [...] meinem Beitrag “Fahrerflucht – was habe ich als Strafe zu erwarten?” habe ich einen Versuch unternommen, den Ersttätern die Angst vor einer Freiheitsstrafe zu [...]

  4. [...] meinem Beitrag “Fahrerflucht – was habe ich als Strafe zu erwarten?” habe ich einen Versuch unternommen, den Ersttätern die Angst vor einer Freiheitsstrafe zu [...]

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