Abschleppkosten zur Vertrauenswerkstatt sind erstattungsfähig (Urteil des AG Memmingen vom 09.11.2018)

Rechtsanwalt Klaus SpiegelhalterVerfasser des Beitrages:
gelesen: 3828 , heute: 20 , zuletzt: 18. Februar 2019

Der Fall:

Unser im Saarland lebender Mandant erlitt in Memmingen einen Verkehrsunfall und das Fahrzeug war unfallbedingt nicht mehr fahrfähig.

Er ließ das Fahrzeug deswegen in das Autohaus seines Vertrauens ins Saarland abschleppen, um es gegebenenfalls dort reparieren zu lassen.

Nach Rücksprache und Beratung durch das Autohaus wurde eine Reparatur nicht durchgeführt und stattdessen ein neues Fahrzeug erworben.

Der Schaden wurde nach Totalschadengrundsätzen abgewickelt.

Das Problem:

Die Versicherung wollte nur die Abschleppkosten bis zur nächstgelegenen Werkstatt bezahlen und lehnte die Transportkosten bis ins Saarland ab.

Das Urteil:

Der Direktor des Amtsgerichts Memmingen hat in dem oben genannten Urteil die Abschleppkosten bis zum Autohaus im Saarland zugesprochen.

Unter anderem führt das Gericht wie folgt aus:

Ein Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht kann aus Sicht des Gerichts in diesem Zusammenhang nicht bejaht werden. Der Kläger konnte und musste überschlägig die Transportkosten von Memmingen nach Völklingen in die Überlegungen mit einbeziehen. Selbstverständlich ist es möglich, dass ein Geschädigter eigene Freizeit oder Urlaub einsetzt, um das Fahrzeug nach einer Bahnfahrt, gegebenenfalls mit Übernachtung selbst von Memmingen nach Völklingen zu fahren. Andererseits kann ein solcher Einsatz von einem Geschädigten zur Entlastung des Schädigers nicht ohne weiteres erwartet werden. Es besteht keine Verpflichtung zugunsten des Schädigers, eigene Freizeit in diesem Umfang einzusetzen, um die Transportkosten durch einen Fremdtransport zu vermeiden. Im übrigen durfte der Kläger an dieser Stelle auch überschlägig die entstehenden Kosten für den alternativen Transport in die Überlegungen einbeziehen. Die Kosten der Bahnfahrt, die Kosten für ein bis zwei Tage Urlaub und die entstehenden Fahrtkosten ergeben, bei überschlägiger Betrachtung ca. 400,– – 500,– €. Wird ein fremder Fahrer mit der Überführung beauftragt, steigen die Kosten deutlich an.

Wenn sich ein Geschädigter angesichts dieser Konstellation unmittelbar nach dem Unfall zu einem Fremdtransport entscheidet, verstößt dies nicht gegen die Schadenminderungspflicht.

Der Umstand, dass im Nachhinein eine Reparatur nicht durchgeführt wurde, sondern das Fahrzeug im beschädigten Zustand in Zahlung gegeben wurde, ändert an der Frage, ob der Kläger im Augenblick der Entscheidung gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen hat, nichts.

Daher kann der Kläger die Transportkosten in Höhe von brutto 833,40 € von der Beklagten beanspruchen.“

Das Aktenzeichen werden wir nach Rechtskraft veröffentlichen.

 

Über den Autor:

Rechtsanwalt Klaus Spiegelhalter ist Fachanwalt für Verkehrsrecht in Saarlouis. Rechtsanwalt Spiegelhalter hilft in allen Fragen des Verkehrsrechts insbesondere bei der unbürokratischen Unfallabwicklung (auch per Web-Akte), Bußgeld, Führerscheinproblemen, Punkten in Flensburg usw.

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